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Schweigen in der Kommunikation

20. September 2017 - Videokommunikation

Kommunikation

Frauen fällt es angeblich schwerer als Männern, einige gehen für seine Ausübung extra ins Kloster, Seminare werden gebucht, Gelübde abgelegt: Schweigen ist eine Tugend. Trotz Sprachlosigkeit stellt es eine Form von Kommunikation dar, denn: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“

Diese von Kommunikationswissenschaftlern viel zitierte Erkenntnis über menschliche Kommunikation stammt von Paul Watzlawick. Sie besagt, dass immer dann, wenn Menschen aufeinandertreffen, Kommunikation stattfindet, selbst wenn sie schweigen und damit signalisieren, dass sie keinerlei verbale Kommunikation wünschen oder benötigen.

Wertvolles Kommunikationsmittel

In der betrieblichen Praxis stellt das Schweigen ein sehr interessantes Stilmittel in der Kommunikation dar, das leider viel zu selten thematisiert wird. Ausnahmen bilden das einvernehmliche Schweigen, wenn beispielsweise die Kommunikationspartner intensiv nachdenken, oder das bedeutungslose Schweigen aus Langeweile bzw. zur Einhaltung konventioneller Normen.

Schweigen eröffnet viel Raum für Interpretation. Insbesondere in Situationen, in denen eigentlich ein reger Wortaustausch erwartet wird. Ein im Grunde unerheblicher Sachverhalt kann mit Bedeutung aufgeladen werden, die durch das Schweigen erst hervorgerufen wird. Als kurze, mit Bedacht gewählte Sprechpause erzeugt Schweigen Spannung und sichert dem Redner die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer. Das kann gerade bei umfangreichen Vorträgen oder Präsentationen von Vorteil sein.

Wenn uns der Gesprächspartner anschweigt, obwohl er eigentlich etwas sagen sollte, empfinden wir das regelmäßig als unangenehm und versuchen, diese Lücke durch eigenen Vortrag zu füllen. Wir wollen uns erklären, weil wir womöglich (unbewusst) mit dem vorher Gesagten eine Demarkationslinie verletzt haben. Schweigen kann folglich auch als Tadel empfunden werden. Deshalb wird es gern bei Vorstellungsgesprächen oder Einkaufsverhandlungen eingesetzt, um die Gegenseite dazu zu bringen, ungewollte sowie unbedachte Informationen preiszugeben.

Überraschenderweise erzielen Sie genau den gegenteiligen Effekt, wenn Sie einem schweigenden Gegenüber fest in die Augen schauen und ebenfalls schweigen. Erfahrungsgemäß wird es das Gespräch selbstständig wieder aufnehmen und Sie als kompetenten Gesprächspartner wahrnehmen.

Das Schweigen optimal einsetzen

Schweigen gehört mittlerweile zu den grundlegenden kommunikativen Fähigkeiten, die es auszuhalten und anzuwenden gilt. Schweigen kann in vielen Situationen die einzig angemessene Reaktion sein. Immer dann, wenn Worte unangebracht sind. Bezüglich der eigenen Gesprächskompetenz erfordert die Fähigkeit zu schweigen einigermaßen Übung. Das zeigt sich häufig an der Vielzahl der Verwendung von Füllwörtern zum Beispiel bei Telefonaten. Selbst kürzeste Denkpausen versuchen wir mit unsäglichen „tja´s“ oder „ähm´s“ zu überbrücken. Echte Souveränität zeigen Sie, wenn Sie diese Füllwörter einfach mal kurz weglassen und sich für wenige Sekunden einfach nicht äußern.

Schweigen ist ein bedeutender Teil unserer Kommunikationskultur. Wohl dosiert und an entsprechender Stelle eingesetzt, fördert es unsere eigene Kommunikationskompetenz, solange wir es nicht destruktiv einsetzen. Denn auch wer schweigt kommuniziert!

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