Blog & Service

Konjunktiv (ismus) in Erklärvideos

20. September 2017 - Videokommunikation

Konjunktiv (ismus) in Erklärvideos

Ursprünglich war dieses Wort eine Eigenkreation von mir. Dachte ich. Dann habe ich erfahren, dass es sich dabei im medizinischen Sinne wohl um eine Art Bindehautentzündung handelt, deren Ursache häufig das lange Tragen von Kontaktlinsen ist.

Also, noch einmal von Vorne und der Intention des Autors entsprechend:

„Konjunktiv, der Modus, mit dem etwas nur mittelbar und ohne Gewähr wiedergegeben, als möglich vorgestellt, irreal dargestellt wird; Möglichkeitsform (z. B. Sie sagte, sie sei krank; wenn er Zeit hätte, käme er noch) Abkürzung: Konj. Synonyme zu Konjunktiv: (Sprachwissenschaft) Möglichkeitsform. Antonyme zu Konjunktiv: Indikativ” *Quelle: duden.de

Wenn wir uns die Bedeutung des Konjunktivs bewusst machen, kommen wir nicht um die Frage umhin: Warum erfreut sich der Konjunktiv (auch Irrealis genannt) in allen Bereichen unseres Lebens – an dieser Stelle: speziell unseres Berufslebens – solcher Beliebtheit? Und das auch noch im Konjunktiv I und II, in diversen Zeitformen (Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft).

Diese einfache Frage erfordert eine einfache Antwort: wir sind Opfer unserer Erziehung. Mit diesem netten Weichmacher suggerieren wir uns selbst, höflich zu sein, nehmen uns zurück, mildern förmlich ab und fordern nicht, was elementare Grundprinzipien menschlicher Erziehung darstellt. Jedoch erfordert Höflichkeit nicht zwangsläufig Weichmacher. Es ist nicht weniger höflich, anstelle von „Könnte ich bitte…“ (zur Klarstellung: das ist schlecht!), „Kann ich bitte…“ (Ein wenig besser!) zu fragen. Freundlichkeit drückt sich auch in der Gestik, Mimik und dem Timbre in der Stimme aus. Optimalerweise positionieren Sie nun Ihre Frage, als Das, was es ist: ein Anliegen und entsprechend „Ich möchte bitte…“. Eine direkte Ansprache aktiviert viel stärker und lässt Sie als Gesprächspartner sicher, kompetent und nachdrücklich wirken. Verstricken Sie sich bitte nicht in Verklausulierungen und schwächen insofern Ihre Fakten ab. Ihr privater Sektor ist davon ausdrücklich nicht ausgenommen und wird es Ihnen danken.

Der Konjunktiv kann auch von sprachlich weniger begabten Menschen dazu benutzt werden, seine Umwelt zu verwirren. Ich denke da speziell an einen ehemaligen Vorgesetzten (im Übrigen der Einzige seiner Art, bei dem ich ernsthafte, fachliche und menschliche Defizite unterstellen konnte), der Sätze gerne in der Art von „Jetzt könnte man…“, „Nun müsste man…“ begann. Eine Antwort auf diese Frage, was Das genau bedeutet, habe ich nie erhalten, allerdings erraten, dass es sich wohl um eine Spielart des Majestätsplurals handelt mit der Intention, sein Gesprächspartner habe etwas zu erledigen. Eine entsprechend positive und lehrreiche Erfahrung war die Zusammenarbeit mit Jemanden, dessen Maxime es war, interne Emails, die länger als drei Zeilen lang sind, schlichtweg nicht zu lesen. Der Mann hatte völlig recht; viel zu viel wertvolle Lebens- und Arbeitszeit wird mit unnützen Geschwätz, respektive Geschreibsel verschwendet. Das können Sie durchaus tun, aber durch die eingesparte Zeit haben Sie die Möglichkeit, es mit Menschen nach Ihrem Gusto zu tun und nicht im Allgemeinen.

Das Leben ist insgesamt gesehen viel einfacher, wenn Sie Ihre Anliegen klar und deutlich auf den Punkt bringen. Natürlich muss an dieser Stelle auch noch Platz für Eigenwerbung erlaubt sein: Gerne sind wir dabei behilflich, Ihre Botschaft klar, präzise und garantiert frei von Konjunktiven zu platzieren.

Falls Sie das anders sehen, bitte ich um Entschuldigung. Möglicherweise hätten meine Ausführungen unter Umständen für Ihre Marketingmaßnahmen hilfreich sein können.

© SimpleFilm | Konjunktiv (ismus)

Rückruf vereinbaren